Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Braunschweig

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Inhalt: Stichkanal nach Hildesheim

Der rd. 15 km lange Stichkanal nach Hildesheim (SKH) zweigt östlich von Hannover bei Kanal-km 183,24 (Höhe Sehnde) aus dem Mittellandkanal (MLK) in südlicher Richtung ab und endet im Hafen Hildesheim. Der Höhenunterschied zwischen der Scheitelhaltung des MLK mit einem mittleren Wasserspiegel auf NN+65,00 m und dem SKH mit einem Wasserspiegel von NN + 73,00 m wird durch die Schleuse Bolzum überwunden.

Stichkanal nach Hildesheim

Bis km 14,623 war der SKH bei Eröffnung Reichswasserstraße. Mit dem Bau des neuen Wendebeckens bei km 14,2 (rechtes Ufer) wurde das Ende der Bundeswasserstraße auf km 14,401 festgelegt und die aufgegebene Kanalstrecke 1995 an die Stadt Hildesheim übertragen. Der Hafen Hildesheim hat dort inzwischen eine Schwerlastumschlaganlage errichtet.
   
Der SKH wurde für den zweischiffigen Verkehr mit Schleppzügen (max. 1.000 t Motorgüterschiff) gebaut. Zur Ausführung kamen im wesentlichen zwei Kanalprofil-Typen (von insgesamt 12 verschiedenen):
   
Muldenprofile mit horizontaler, 16 - 22 m breiter Sohle, rd. 3,0 m Wassertiefe und rd. 33 m Wasserspiegelbreite und
Trapezprofile mit auf rd. 8 m beidseitig der Kanalachse unter 1:16 geneigter Sohle, in Kanalmitte rd. 3,5 m Wassertiefe und rd. 33 m Wasserspiegelbreite.
   
Die Profile weisen Querschnitte von 80 - 83 m2 auf (in den Dammstrecken „Alpe“ und „Bruchgraben“ rd. 110 m2).
   
Der SKH ist auf einer Länge von 7,66 km ungedichtet und auf 4,92 km Länge (davon rd. 3,6 km im Bereich der  Vorfluter Alpe und Bruchgraben) mit einer Schalendichtung versehen. Die Dichtung besteht aus einer 0,3 - 0,6 m starken Tondichtung mit aufliegender Schutzschicht von 0,3 - 0,4 m Stärke (unverklammerte Wasserbausteine). Der Hafen Hildesheim ist gedichtet, weist jedoch nur eine Wassertiefe von 3,50 m auf (4,0 m im Bereich SKH - km 14,401 – 14,623).
   
Der SKH hatte beidseitig sog. Leinpfade von rd. 4,0 m Breite erhalten (unter den Brücken nur 2,0 m).
   
Für die Schifffahrt wurden Wendestellen bei km 9,3 (rechtes Ufer, Ladestelle Siegfried-Giesen) und 14,5 (rechtes Ufer, Hafen Hildesheim) gebaut. Ebenso eine große Zahl von Übernachtungsstellen: 14 mit einer Gesamtlänge von 5.370 m.
   
Die Kanalufer hatten ursprünglich nur eine leichte Befestigung aus 10 cm Unterbettung und 20 cm Decklage (Wasserbausteine). Die mit Aufkommen der Motorgüterschiffe verstärkt notwendige Unterhaltung erfolgte durch Schüttsteinbewurf der Wasserwechselzone, teilweise auch durch den sog. Drahtsack (Wasserbausteine wurden dabei durch einen „Schlauch“ aus Maschendraht umhüllt). Die Böschungen sind durch diese jahrzehntelange Unterhaltungsart quasi gepanzert.
   
Die Kanalanlagen sind bereits beim Bau und dann verstärkt ab 1950 bis in die 60er Jahre in Bereichen ausgebauter, d. h. abgeflachter Rutschungen in großem Umfange mit Mischwald bepflanzt worden.

Der 15 km lange SKH durchschneidet zwischen Sehnde und Hildesheim die fruchtbaren, waldarmen Lößböden am Mittelgebirgssaum der Norddeutschen Tiefebene. Hier zieht sich aber auch weiträumig ein Gebiet tiefgründiger Tone der Eiszeit hin.

Diese Tone bauen in natürlicher Lagerung den Überdruck in horizontaler Ebene kaum ab. Einschnitte im Gelände bewirken jedoch eine Druckentlastung mit der Folge langandauernder Rutschungen.

Die Standsicherheit derartiger Einschnittsböschungen ist dann allenfalls durch äußerst flache Neigungen (1 : 6 bis 1 : 10) zu erreichen.

Bereits beim Bau des SKH wurden umfangreiche bauliche Vorkehrungen zur Vermeidung von Rutschungen getroffen:

Alle Sicherungen haben weitere Rutschungen bis heute nicht verhindern können.
   
Eine gewisse Stabilisierung ist nach 1950 durch ingenieurbiologische Maßnahmen eingetreten: Die sterilen Tonböschungen, vor allem im tiefen Lühnder Einschnitt, sind systematisch aufgeforstet worden. Die Böschungen sind aber auch heute noch in Bewegung.